Trittschall - wenn der neue Bodenbelag zur Lärmbelästigung wird

Mit Urteil vom 26.06.2020 entschied der BGH, dass ein Wohnungseigentümer von dem Eigentümer einer darüber liegenden Wohnung Trittschallschutzmaßnahmen verlangen kann, wenn nach Austausch des Bodenbelags in der oberen Wohnung die Trittschalldämmung den schallschutztechnischen Mindestanforderungen nicht mehr genügt, BGH, Urteil vom 26.06.2020, Az. V ZR 173/19.

In dem Fall stritten 2 Eigentümer übereinander liegender Wohnungen in einem im Jahr 1962 erbauten Haus um den neuen Bodenbelag des Eigentümers der oberen Wohnung. Diese Dachgeschosswohnung war im Jahr 1995 zu Wohnraum ausgebaut und in diesem Zuge mit Teppichboden ausgestattet worden. Der Eigentümer hatte später den Teppichboden durch Fliesen ausgetauscht.

„Na und?“, fragt man sich da. Das ist doch seine Wohnung, also wird er wohl den Bodenbelag auswählen können, den er will - weit gefehlt! Der Eigentümer der unteren Wohnung beschwerte sich nämlich über unzumutbare Lärmbelästigungen durch Trittschall, welche erst durch das Verlegen der Fliesen entstanden seien. Ein daraufhin von der Wohnungseigentümergemeinschaft in Auftrag gegebenes Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass die Trittschalldämmung der Wohnungstrenndecke mit dem Fliesenbelag nicht den schallschutzrechtlichen Mindestanforderungen nach den einschlägigen DIN-Normen im Jahr 1989 entspreche.

Mit der Klage verlangte der Eigentümer der unteren Wohnung die Verlegung eines Teppichbodens bzw. eines, in der Trittschalldämmung gleichwertigen, Bodenbelages mit einem Trittschallverbesserungsmaß von mindestens 15 dB. Hilfsweise sollte durch geeignete Maßnahmen ein Normtrittschallpegel von unter 53 dB hergestellt werden.

Der BGH entschied, dass der Eigentümer der oberen Wohnung dafür Sorge zu tragen habe, dass der Schallschutz wieder gewährt würde. Dementsprechend muss der Eigentümer nun seine Wohnung entweder wieder mit Teppichboden auslegen, oder dafür Sorge tragen, dass anderweitig ein angemessener Trittschallschutz gewährleistet wird.

Seine Entscheidung hat der BGH auf § 14 Nr. 1 WEG gestützt. Nach dieser Norm ist jeder Wohnungseigentümer verpflichtet, von dem in seinem Sondereigentum stehenden Gebäudeteilen, wozu auch der Oberbodenbelag gehört, nur in solcher Weise Gebrauch zu machen, dass dadurch keinem anderen Wohnungseigentümer ein über das unvermeidliche Maß hinausgehender Nachteil erwächst. Da der Trittschallschutz vorliegend nicht mehr innerhalb der Grenzen der einschlägigen DIN-Normen lag, ist dem Kläger nach Ansicht des Gerichts durch den Austausch des Bodenbelags in der Wohnung des Beklagten ein nicht zumutbarer Nachteil entstanden. Maßgeblich seien hierfür die im Jahr des Ausbaus des Dachgeschosses zu Wohnraum geltenden Richtwerte und damit im vorliegenden Fall die Richtwerte aus dem Jahr 1989.

Praxistipp: Bevor der Eigentümer einer Wohnung vorschnell den Bodenbelag austauscht, sollte er prüfen lassen, ob bei dem gewünschten Bodenbelag noch die bei Errichtung des Hauses bzw. Umgestaltung der Räume in Wohnraum geltenden Schallschutz-Richtwerte nach den entsprechenden DIN-Normen eingehalten werden können. Tut er dies nicht, läuft der Eigentümer Gefahr, viel Geld ausgeben zu müssen, da er im schlimmsten Fall den gesamten Bodenbelag wieder entfernen und gegen einen anderen Belag austauschen muss.

Pressemitteilung Nr. 82/2020 des BGH zum Urteil vom 26.06.2020 – V ZR 173/19

Für weitergehende Informationen zum Mietrecht stehen Ihnen die Rechtsanwälte Wagner + Gräf gerne zur Verfügung.

RAin Stephanie Stolz
Rechtsanwältin, Würzburg




08.07.2020